Gemeindewald

Rund 450 Hektar Wald sind im Besitz der Gemeinde Rimbach. Hinzu kommen noch 38 Hektar Staatswald und viele Waldflächen in Privateigentum. Rund ein Drittel der Gesamtfläche der Gemeinde Rimbach von rund 2300 Hektar besteht aus Wald. Was in früheren Zeiten einen hohen wirtschaftlichen Wert darstellte, ist heute in erster Linie Naherholungsgebiet und Naturrefugium. Dass viele Waldnutzer, seien es nun Spaziergänger, Sportler, Reiter oder einfach nur Naturliebhaber, sich an der Art der heutigen Bewirtschaftung stören, stößt bei den Verantwortlichen auf Missverständnis.
Die Bewirtschaftung unseres Waldes und damit auch die Verantwortung für die nachhaltige Nutzung hat die Gemeinde dem landeseigenen Betrieb Hessen-Forst übertragen. Dieser Betrieb unterliegt zwar den Richtlinien, die sich aus dem Hessischen Waldgesetz ergeben, wird aber alleine am wirtschaftlichen Ertrag gemessen und beurteilt. Die Auslegung der Standards unterliegt dabei ausschließlich Hessen-Forst.

Der Waldwirtschaftsplan 2018 der Gemeinde Rimbach weist einen Holzeinschlag von insgesamt 4319 m³ aus. Pro Hektar wären das  9,68m³ pro Hektar.Damit rangiert der Holzeinschlag knapp unter der Nachhaltigkeitsgrenze von ca. 10 m³/ha. Dem Erlös von 344790 € stehen Unkosten von 336128 € gegenüber. Daraus  ergibt sich für die Gemeindekasse gerade mal ein Gewinn von  8662 €.

Bedingt durch eine Gesetzesänderung, wonach Hessen-Forst in Zukunft kostendeckend arbeiten muss, haben die Forstämter bereits eine erhebliche Steigerung der Beförsterungskosten angekündigt, wodurch sich der sowieso schon marginale Gewinn in ein Defizit verwandeln wird!
Viele hessische Kommunen stehen nun vor dem selben Problem;

Ein „weiter so“ kann es schon aus Kostengründen nicht geben, aber was wäre die vernünftige Alternative?

Einige Städte und Gemeinden haben bereits die Zusammenarbeit mit dem landeseigenen Betrieb gekündigt und private Alternativen gefunden. Das würde aber nur in interkommunaler Zusammenarbeit Sinn machen. Größere Synergieeffekte sind im Vergleich zu Hessen-Forst nicht zu erwarten, da der Betrieb ja genau deswegen als Landeseigener Betrieb gegründet worden war.
Die Herangehensweise an dieses Thema unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist unserer Meinung nach grundlegend falsch. Der Klimaschutz, der Wald als Lebensraum für viele Pflanzen und Tierarten und nicht zuletzt der immer wichtiger werdende Erholungsraum für den Menschen haben im Waldwirtschaftsplan leider keinen Wert. Was in der Landwirtschaft schon lange akzeptiert und praktiziert wird, nämlich die Subventionierung der Landwirtschaft um unsere Kulturlandschaft zu erhalten, gilt für den Wald nicht. Hier geht es in erster Linie um den Ertrag aus der Holzvermarktung. Das muss sich dringend ändern!!
Hier ist in erster Linie die hessische Landesregierung gefragt, die Hessen-Forst aus der Wirtschaftslogik herauslösen müsste. Das theoretische Wissen um eine naturnahe Forstwirtschaft ist bei den Forstbeamten sicher gegeben, aber der wirtschaftliche Druck zeigt sich doch in einigen von uns kritisierten Vorgehensweisen bei der Holzernte.

-Die Holzernte auf extrem aufgeweichtem Boden:

Die Humusschicht im Bereich der Maschinenwege wird dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen. An vielen Stellen ist sie durch das Ziehen der Stämme fast völlig abgeschürft. Der Boden wird auf lange Frist zu stark verdichtet.

 

-Das unserer Meinung nach zu starke Ausdünnen der Bestände in den Höhenlagen;

Die wenigen verbliebenen Altbäume konnten schon den letzten Herbststürmen nicht stand halten. In der letzten Dürreperiode konnten sie dann kaum noch Schutz für den Waldboden und die nachwachsende Baumgeneration bieten. Teilweise ist der Boden dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt. Das typische Waldklima kann nicht aufrecht erhalten werden.

 

 

-Die Schäden am Bestand;

Der Wald ist durchzogen mit Forstwegen. Große Maschinen dürfen abseits davon nur auf sogenannten Maschinenwegen oder Rückegassen in den Wald hineinfahren. Dadurch soll sich die Verdichtung des Bodens auf diese Areale beschränken, damit der gesamte Waldboden möglichst wenig Schaden nimmt. Entlang dieser Maschinenwege werden nicht nur der Waldboden, sondern auch die angrenzenden Bäume häufig in Mitleidenschaft gezogen. Das wäre zwar vermeidbar, wird aus oben genannten Gründen aber nicht praktiziert. Die Folge ist eine immer stärkere Belastung des Baumbestandes und des Waldbodens entlang der Maschinenwege.

  

 

-Die Vorgaben für das FFH Gebiet Tromm, das immerhin drei Viertel des Gemeindewaldes ausmacht, werden nicht ausreichend berücksichtigt;

Leitbild des FFH Bewirtschaftungsplanes Tromm:
3.1. Leitbild

Die im FFH-Gebiet „Tromm“ vorhandene Strukturvielfalt der verschiedenen Waldtypen soll großflächig erhalten bleiben und nach Möglichkeit weiter gefördert und verbessert werden. Die Förderung und Verbesserung des Strukturreichtums hat Buchenwälder mit naturnahem Bestandaufbau zum Ziel, in denen auch die charakteristischen Arten dieses Lebensraumtyps geeignete Habitate finden. Wesentliche Merkmale naturnaher Buchenwälder und günstiger Habitatstrukturen sind horizontale und vertikale Schichtung, das Nebeneinander unterschiedlicher Alterklassen bzw. Waldphasen, hohe Altholz- und Totholzanteile sowie eine hohe Zahl an Höhlenbäumen und anderen Biotopbäumen.

Neben Buchenwäldern gehören auch die Schlucht- und Hangmischwälder auf blockreichen Standorten und die naturnah ausgeprägten Quellbäche mit bachbegleitenden Erlen- Eschenwäldern zu den natürlichen und für den Naturraum typischen Waldgesellschaften Auch auf diesen nur recht kleinflächig ausgeprägten Sonderstandorten gilt das Leitbild naturnaher und strukturreicher Waldbilder.

 

Bei einer Waldbegehung mit dem zuständigen Forstamtsleiter Herrn Schepp und seiner Kollegin Frau Dober konnte ich mich zwar davon überzeugen, dass dieses Leitbild in weiten Teilen eingehalten wird, aber gerade was die Alt-und Habitatbäume anbelangt, blieb bei mir der Eindruck zurück, dass nur die nicht verwertbaren Bäume als Habitatbäume stehen bleiben. Die Aussage von Herrn Schepp, dass das Prinzip Nutzung vor Entwertung gelte, widerspricht meiner Meinung nach auch dem Erhaltungsziel aus dem FFH -Bewirtschaftungsplan:

3.2.1. Erhaltungsziele FFH- Lebensraumtypen nach der NATURA 2000-Verordnung

9110 Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)  Erhaltung naturnaher und strukturreicher Bestände mit stehendem und liegendem Totholz, Höhlenbäumen und lebensraumtypischen Baumarten in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen und Altersphasen

Wenn ein Baum also gefällt wird, bevor er sich selbst entwertet, kann er seine letzte Alterstufe natürlich nicht erreichen.

Das lokale Gebietsmanagement mit der Umsetzung der nach diesem Bewirtschaftungsplan vorgeschlagenen Maßnahmen erfolgt im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt durch HESSEN-FORST, Forstamt Lampertheim.

Hier könnte man auch einen Interessenskonflikt sehen. Einerseits muss Hessen-Forst möglichst gute Erträge aus der Holzvermarktung erzielen, andererseits ist es aber auch für die Einhaltung der FFH-Richtlinien zuständig und muss sich dahingehend selbst kontrollieren.

Trotz all dieser Kritik können wir uns nicht über eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Forstamt Lampertheim beklagen. Viele grundlegende Fragen wurden bereitwillig beantwortet und einiges relativiert. Die Ökologie des Waldes und die Forstwirtschaft sind immer noch Forschungsgebiet. In Deutschland herrschen sehr hohe Standards in der Waldbewirtschaftung, in diesem Sinne ist unsere Kritik also schon  hoch angesetzt. Wir sollten uns nach der viel zitierten Erfindung der „Nachhaltigkeit“ aber nicht davon abhalten lassen es noch besser zu machen. Der Klimawandel und der immer höhere Druck auf die Waldbestände durch immer größeren Holzverbrauch macht es notwendig, den Wald für die Zukunft zu erhalten und widerstandsfähig für klimatische Veränderungen zu machen.
An dieser Stelle könnte man jetzt weit abschweifen, Globalisierung, Wirtschaftswachstum, Finanzmärkte, Energiewende usw., alles spielt beim Rohstoff Holz und damit auch für unseren Gemeindewald eine Rolle.

Was also tun mit unserem Wald?

Es sollte sich erst einmal die Erkenntnis durchsetzen, dass unser Wald mehr wert ist als der alljährliche Holzertrag!
Die Bewirtschaftung des Waldes wird in Zukunft Kosten verursachen. Die Bewirtschaftung sollte daher zurückgefahren werden. Zum Beispiel könnte der Einsatz der Subunternehmer mit den Harvestern reduziert werden.
Theoretisch könnte die Möglichkeit der Umwandlung des FFH Gebietes in einen höheren Schutzstatus geprüft werden bis hin zu einem Bannwald, der völlig aus der Bewirtschaftung genommen wird.
Eine weitere sehr gute Alternative wäre die Reduzierung des Einschlages um 25%, wie sie in einer Greenpeace-Studie propagiert wird. Demnach würde die CO2 Speicherkapazität und der Holzvorrat erheblich zunehmen. Das wäre eine Investition in die Zukunft.

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s02061_greenpeace_studie_waldvision.pdf

Der Gemeindewald ist das größte Stück Gemeinschaftseigentum der Rimbacher Bürgerinnen und Bürger. Statistisch gesehen gehören jedem Rimbacher Einwohner rund 500m² Wald. Die Zukunft des Waldes sollte deshalb auch von den Bürgerinnen und Bürgern aktiv mitbestimmt werden.

 

 

 

 

 

 

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